Pater Anselm Grün begeisterte 750 Zuhörer

"Wurzeln – Festen Halt im Leben finden" lautete nach seinem gleichnamigen Buch das Motto eines Vortrags des renommierten Paters und Buchautors Anselm Grün. Die Raiffeisenbank Augsburger Land West eG hatte hierzu in die Rothtalhalle nach Horgau eingeladen. Rund 750 Gäste waren gekommen, um dem Benediktinermönch zuzuhören.

Pater Anselm Grün begeisterte 750 Zuhörer

Der 1945 geborene Mönch und Cellerar der Benediktinerabtei im Kloster Münsterschwarzach hat vor allem durch seine zahlreichen Bücher sowie Vorträge und Seminare einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Da er speziell auf Fragen und Nöte von Menschen einzugehen versucht, wird er von vielen Menschen als Seelsorger, spiritueller und psychologischer Berater sowie geistlicher Begleiter geschätzt. Die Bankvorstände Karl Rau und Hermann Scherer waren überwältigt von dem starken Besuch. Keine der bisherigen Kundenveranstaltungen sei auf so viel Interesse gestoßen, so Rau.

Die Wurzeln seines Lebensbaumes finden

"Viele Menschen haben ihre Wurzeln verloren oder sind sich ihrer Wurzeln nicht bewusst. Sie leiden daher unter Wurzellosigkeit", lautete eine Hauptthese Grüns. "Viele versuchen, nur in der Gegenwart zu leben, ohne ihre Vergangenheit zu reflektieren. Sie sind gleichsam von ihren Wurzeln abgeschnitten und kreisen um ihre eigenen Probleme", meinte Grün weiter. Wer seine Wurzeln nicht kenne, wisse auch nicht, was sein "Lebensbaum" und somit er selbst benötigen würde, um in seine wahre und ihm von Gott zugedachte Gestalt hineinzuwachsen. "Wenn wir nur um die eigenen Probleme kreisen, können wir uns auch selbst zerstören", betonte Grün, der als konkretes Beispiel Depressionen nannte. Deren Ursache liegen nach Ansicht von Psychologen häufig in einer Wurzellosigkeit.

Viele haben die Sehnsucht, für ihre Familie einen Stammbaum aufzustellen. Allerheiligen sei ein möglicher Anlass, sich seiner familiären Wurzeln zu besinnen, zumal jeder lebende, als auch jeder verstorbene Mensch eine besondere Botschaft zu bieten hätte. "Ziel von Trauer ist es, dieses Botschaften zu hören und wahrzunehmen", unterstrich Grün.

Wie das Unkraut im Weizen

Natürlich gibt es auch "Schädlinge" von außen, wie etwa seelische Verletzungen und Kränkungen der Eltern, Familie oder anderer Menschen, die Wurzeln schädigen. Auch nicht nur mit seinen Wurzeln in Berührung zu kommen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sondern auch deren Reinigung ist eine weitere wichtige Aufgabe und Herausforderung eines jeden Menschen. Grün nannte speziell im Zusammenhang drei biblische Gleichnisse, unter anderem Jesus Gleichnis des Unkrauts im Weizen. Dieses Unkraut müsse behutsam entfernt werden, ohne den Weizen auszureißen oder dessen Wurzelwerk zu beschädigen. "Unkraut gehört dazu. Wer allzu perfekte Wurzeln will, nimmt alles weg", warnte Grün. Jeder sollte die Geschichte von Großeltern und Eltern sowie deren Lebensphilosophie kennen. "Über andere Menschen nicht urteilen, sondern auf sie mit Güte blicken" sowie "Es gibt immer einen Weg" seien Botschaften seiner Elternteile gewesen, für die er ihnen sehr dankbar sei, schilderte Grün seine persönlichen Erfahrungen. Ein weiterer Faktor sei Freiheit und Vertrauen. "Wer über beides verfügt, wird nicht ängstlich durchs Leben gehen", hob Grün hervor.

Kindheit reflektieren

"Es ist nicht so wichtig, wie meine Kindheit war. Viel wichtiger sei, selbst Verantwortung zu übernehmen", zitierte Grün C. G. Jung als weitere Botschaft für den Umgang mit möglichen Verletzungen und Schädigungen eigener Kindheitswurzeln. Auch sollten eigene Talente wahrgenommen und weiterentwickelt werden. Dazu zähle auch die Vergebung und Aussöhnung gegenüber denjenigen, die einen verletzt hätten. "Schmerz und Wut zulassen - objektiv überlegen, was geschehen ist – vergeben, ohne zu vergessen, um loslassen zu können", seien entscheidende Schritte.

In einem abschließenden meditativen Ritual gab Pater Anselm Grün den Zuhörern praktische Anleitungen, wie sie durch Beruhigung und Loslassen des inneren Kindes die eigenen, authentischen Wurzeln finden können.

Offenbar sind viele auf der Suche nach ihren Wurzeln: Gebannt lauschten die Zuhörer 60 Minuten den faszinierenden Ausführungen und Botschaften Grüns in der vollen Rothtalhalle. Viele Besucher nutzten auch die Gelegenheit, sich von Pater Anselm Grün seine Bücher signieren zu lassen.